Ein Schreiben des Ältestenrats

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DES ÄLTESTENRATS
Council of Elders July 2016
foto Jimmy Nemeth

21 Juli 2016

Liebe Freunde, Freundinnen und Kolleg_innen in der MCC:

Wir schreiben euch heute mit ähnlich gemischten Gefühlen wie sie viele von euch haben dürften nach der 26. Weltkonferenz, aber auch mit Dankbarkeit dafür, euch und unserer Glaubensgemeinschaft dienen zu dürfen, und voller Hoffnungen für unsere Zukunft.

Uns ist klar, dass ein einzelnes Schreiben nicht alle Sorgen und Anliegen aufgreifen kann, die uns in unserer Gesamtheit jetzt beschäftigen. Wir wollen euch also diesen Moment und uns selbst anbieten, um die Art von Dialog, Gebeten und Überlegungen zu beginnen und aufrecht zu erhalten, die uns alle in jene “höheren Lagen” versetzt, von denen wir oft singen und die uns helfen werden, gemeinsam voranzukommen.

Die Frage, die die Konferenz bei vielen von uns aufgeworfen hat, ist: Was ist da passiert? Es gibt darauf keine einfache Antwort. Sicher hat dabei eine Rolle gespielt, dass Verunsicherungen, Verletzungen, Misstrauen, Missgunst und Groll schon lange vor sich hin geschwelt haben, während wir weiterhin versucht haben, gemeinsam unseren Aufgaben nachzukommen. Und wir kennen uns selber, mit all unserer Menschlichkeit – und bekennen daher unsere Sünden in Form von Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Klassendiskriminierung, die immer mit am Werk sind, wenn unsere Glaubensgemeinschaft in all ihrer Vielfalt zusammenkommt. Wir alle glauben aber auch, dass der Heilige Geist gegenwärtig war – und dass auch da, wo viele der eben genannten Dinge am Werk waren, ein klarer Ruf vernehmbar wurde: Wir sind aufgerufen, uns nun geflissentlich einer Übergangszeit zu widmen und neue Wege zu finden, Vertrauen zueinander aufzubauen.

Wie MCC auftritt und was MC bedeutet, ist unterschiedlich in unterschiedlichen Teilen der Welt, und der Heilige Paulus hatte Recht: “Es sind viele Glieder, aber der Leib ist einer,” und wir brauchen alle Glieder, damit der Leib vollständig und heil sein kann.

Wir müssen an vielen Dingen arbeiten. Als Ältestenrat wollen
wir uns dem mit ganzer Kraft widmen und die Arbeit in dem vollen Maße ermöglichen, das ihr von uns erwartet.

Es reicht nicht, rassistisch geprägte Spaltungen und Dynamiken in der MCC einfach nur anzusehen und darüber zu beten. Vielmehr müssen wir uns für solche Formen von Selbstprüfung, offener und öffentlicher Debatte, und auch so manchen Kurswechsel einsetzen, mit denen wir anfangen können, diese Spaltungen und Dynamiken zu beseitigen und unser Dasein als Kollektiv heilen können.

Wir müssen Transparenz nicht nur bekunden, sondern auch praktizieren. Weder als Leiterschaft noch als Leib Christi in unserer Gesamtheit dürfen wir davor zurückschrecken, auf unangenehme Fragen so offen wie möglich zu reagieren. Als Institution sind wir “halb-kongretional” strukturiert, d.h. Wir wählen und ernennen zwar Einzelne, um uns zu leiten, aber die letzte Entscheidung hat immer die Gemeinschaft der Gläubigen. Es belastet die Gemeinden, wenn die Leiterschaft versucht, sie vor unangenehmen Wahrheiten zu schützen.

Wir müssen ehrlich sein.

Die Wahrheit ist: Manchmal handeln wir nicht entsprechend unserer Überzeugungen und Glaubensbekenntnisse. Manchmal verwenden wir Soziale Netzwerke nicht so, dass es allen einen geschützten und sicheren Raum bietet.

Die Wahrheit ist: Viele unterschiedliche Leute fühlen sich aus unterschiedlichen Gründen isoliert, ausgeschlossen, zum Schweigen gebracht oder mit ihren Gaben nicht willkommen.

Die Wahrheit ist: MCC hat vielen, wenn nicht allen von uns das Leben gerettet, und es ist unsere Liebe zu der Vision unseres Gründers samt dem dreigliedrigen Evangelium der Errettung aller, der Gemeinschaft aller und der sozialen Gerechtigkeit; unsere Liebe zu unserer derzeitigen Moderatorin; und unsere Hoffnung für die Zukunft, die uns dazu bringen, wenigstens zu versuchen, miteinander zu reden und in den Schmerz reinzugehen, um zu heilen (oder um geheilt zu werden, indem wir das tun).

Gott hat Jesus nicht gesandt, um die Welt zu verdammen, sondern um sie zu retten – ein Visionär im Glauben vor langer Zeit. Wir glauben, dass das auch für alle unsere Leben gilt in unserer heutigen Zeit: Wir sind nicht berufen, zu verdammen oder zu richten oder uns selbst oder andere abzuschneiden – sondern zusammenzustehen in den Spannungen, denen wir uns gerade gegenübersehen, und zusammen zu arbeiten zum Wohle des Lebens von uns allen und der Zukunft von uns allen.

Indem wir diesen Brief schreiben, erklären wir uns bereit für
die schweren Auseinandersetzungen rund um Rassismus, Klassendiskriminierung, Ressourcen, Missgunst
und Frauenfeindlichkeit.

Wir erklären unsere Bereitschaft, mit denjenigen zu gehen und denjenigen zuzuhören und uns durch die Benachteiligungen und das Leid derjenigen hindurch zu arbeiten, die andere Meinungen und Sichtweisen haben als wir jeweils selbst. Wir erklären uns bereit, den Standpunkt einzunehmen, dass Zukunft möglich wird, wenn wir zusammenstehen.

Wir alle haben Leute gehört, die MCC verlassen müssen, “weil es darin keinen Platz für mich gibt,” Heute wenden wir uns mit einer ganz einfachen Frage an euch: Wie soll es irgendwo für irgendeine n von uns besser werden, wenn wir unseren Wunden, unseren tief verinnerlichten und unterschiedlichen Überzeugungen, unseren zerschlagenen Träumen und unserer leidenschaftlichen Hoffnung auf eine Zukunft hier und jetzt nicht ins Gesicht sehen und sie adressieren?

Der weise Rat von Mordechai für Ester mag wahrhaftig der Ruf Gottes an uns alle sein, in diesem Moment alles in unserer Macht Stehende zu tun und unser Bestes dafür einzusetzen, die MCC umzugestalten und mit neuem Leben zu füllen – zu unser aller Wohl, ja, und (vielleicht noch dringender und wichtiger) zum Wohl all derjenigen um uns herum, die rund um die Welt darauf warten, dass die Verheißungen Gottes in ihrem Leben Wirklichkeit werden.

Wir müssen Wege finden, unser Vertrauen
zueinander wiederherzustellen, damit wir gemeinsam vorwärtsgehen können.

Wir hoffen aufrichtig, dass ihr euch mit uns auf den Weg macht, wenn wir uns nun durch unsere Vergangenheit und unsere aktuellen Wirklichkeiten durcharbeiten müssen, um die Zukunft der MCC erkennen und gestalten zu können. Ruft uns an, schreibt uns, ladet uns ein in eure Ortsgemeinden. Gott hat uns berufen für Zeiten wie diese. Davon sind wir zutiefst überzeugt.

In Liebe und Hingabe,

Metropolitan Community Churches des Ältestenrats

Rev. Elder Dr. Nancy Wilson, Moderator
Rev. Elder Dwayne Johnson, Convener
Rev. Elder Ines-Paul Baumann
Rev. Elder Pat Bumgardner
Rev. Elder Margarita Sánchez De León
Rev. Elder Tony Freeman
Rev. Elder Darlene Garner
Rev. Elder Héctor Gutiérrez
Elder Nancy G. Maxwell
Rev. Elder Dr. Candace R. Shultis
Rev. Elder Mona West, PhD